Hexe

Nachdem mein alter ego es nicht gebacken kriegt, sich umfassend und qualifiziert zu Hexen, Magie & Co. zu äußern, bin ich wohl gefordert.


Wir leben im Zeitalter der Technik und der Wissenschaften. Im Gymnasium wurden wir eingeführt in das selbständige wissenschaftliche Arbeiten: eine Disziplin, die die Menschheit zu den Hochleistungen der letzten vier Jahrhunderte geführt hat. Und sie erweitert unser Verständnis von der Welt Jahr für Jahr.

Welche Disziplinen hatten wir „vorher“, um uns die Welt untertan zu machen? Wir hatten den Glauben an den Herrn, den Glauben an den Lehnsherrn, für ernste Fälle den Gesundbeter und für den Normalfall unsere Rituale, wie z. B. über die Schulter zu spucken.

Die Hexe stammt kulturgeschichtlich aus der Zeit noch vor der Christianisierung. Wir kennen sie eigentlich nur – in politisch korrekt aufgearbeiteter Form – aus dem Märchen. Von der historischen Hexe gibt es wenig Schriftliches. Aber sie selbst gibt es. Heute noch.

Unsere gymnasiale wissenschaftliche Ausbildung vermittelt: das könne nicht sein; die Wissenschaft beherrsche die Welt – was wir heut noch nicht wüssten, erführen wir halt morgen; Hexen seien Unfug.


Ich weise auf diesen Widerspruch hin: die ebenso offensichtliche wie unausgesprochene Annahme, die Wissenschaft könne die Welt vollständig erfassen, ist tatsächlich ein Glaube, der wissenschaftlich nicht begründbar ist. Denn seit Gödel wissen wir, dass es keine nichttrivialen abgeschlossenen Axiom-Systeme gibt.

Wenn also jemand wie Sandra daher kommt und sagt, ok, ich bin eine Hexe: dann ist sie zunächst mal ernst zu nehmen.

Und genau das tu ich.


Nachtrag, mein alter ego hat sich bequemt. Wir haben uns zusammengesetzt. Hier unsere Zusammenfassung (pdf).